Die Fraport AG beginnt mit dem Abriss der Mauer um die Startbahn West

Symbol der Proteste am Frankfurter Flughafen - Jetzt fällt der Betonzaun der Startbahn West

Sechs Kilometer Beton und Stacheldraht: Der Zaun an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens ist Symbol für einen der heftigsten Proteste der Bundesrepublik. Von Donnerstag an wird er abgerissen. Aber nicht alles wird entsorgt.

Von Tanja Ehrke

Sie ist ein Bauwerk, das Menschen weit über die Region hinaus spaltete. Sie löste Proteste bis dahin unbekannten Ausmaßen aus: die Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Nun wird der sechs Kilometer lange Betonzaun, der die Demonstranten vom Baugelände fernhalten sollte, abgerissen. Dies hat der Flughafenbetreiber am Dienstag mitgeteilt.

Am Donnerstagmorgen zwischen 8 und 10 Uhr solle der Abriss beginnen, sagte Flughafensprecher Christian Engel hessenschau.de. "Der Zaun ist 35 Jahre alt und an vielen Stellen baufällig." Er soll durch einen modernen Zaun ersetzt werden. "Die Beleuchtung etwa wird auf LED umgestellt." Die Arbeiten werden einige Monate in Anspruch nehmen. Engel geht davon aus, dass sie bis zur zweiten Jahreshälfte 2018 dauern werden.

Historisches Museum hat Interesse an Mauerresten

Wegen der historischen Bedeutung sollen aber Teile des Betonzauns erhalten bleiben. "Aus eigener Initiative und durch die Anregung von außerhalb haben wir beschlossen, einzelne Elemente aufzuheben", erklärte Engels Kollege Dieter Hulick. Wo genau diese in Zukunft zu sehen sein werden, stehe aber noch nicht fest.

Für das Deutsche Historische Museum in Bonn wäre so ein Stück prinzipiell auch von Interesse. "Die Proteste gegen die Startbahn West sind für die Geschichte der Bundesrepublik sehr wichtig. Objekte, die damit zusammenhängen, sind für uns natürlich reizvoll", sagte ein Museumssprecher.

Für Dirk Treber, Gründungsmitglied der damaligen Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Flughafens, hat die Mauer ebenfalls einen hohen symbolischen Wert. "Wir wollen, dass zwei bis drei Mauerelemente im Sinne der Erinnerungskultur erhalten bleiben und hier in der Region aufgestellt werden, so dass sie jeder sehen kann."

Zehntausende demonstrierten gegen die Startbahn West

Vor mehr als 33 Jahren, am 12. April 1984, hob der erste Flieger von der Startbahn West Richtung Paris ab. Vorausgegangen waren jahrelange Demonstrationen und Aufstände zehntausender Menschen. Und es waren keineswegs nur linksautonome Studenten oder Aussteiger, die sich entschieden gegen das Großprojekt wendeten. Das hatte auch Treber damals überrascht: "Es waren viele Ältere und Frauen dabei, auch unterschiedliche Berufsgruppen, Ärzte, Handwerker." Ihr Anliegen war vor allem der Umweltschutz, denn der geplanten Startbahn fielen im Herbst 1980 riesige Waldflächen zum Opfer.

Die Bürgerinitiative gegen den Ausbau errichtete als Reaktion auf die Rodung eine Hütte im Wald, um Spaziergänger über die Baupläne und die Folgen zu informieren. Daraus wuchs nach und nach ein ganzes Hüttendorf, das die Polizei im November 1981 räumte. Um die Demonstranten vom Baugelände fernzuhalten, wurde der Betonzaun errichtet. Für Dirk Treber war dieser Moment entscheidend: "Damit war klar, dass der Teil vom Wald, der für die Startbahn gebraucht wird, jetzt endgültig von der Bevölkerung abgeschnitten wird."

An einer friedlichen Demonstration in Wiesbaden beteiligten sich im November 1981 etwa 120.000 Menschen. Doch der Protest schlug in Krawall um. Am 15. November 1981 errichteten die Ausbau-Gegner am Flughafen Barrikaden aus Rollwägen und blockierten die nahegelegene Autobahn mit Stöcken und Ästen.

Zwei Polizisten getötet

Polizei und Demonstranten gingen immer wieder hart aneinander: mit Tränengas, Wasserwerfern auf der einen, Molotowcocktails und Steinen auf der anderen. Auch Jahre nach Eröffnung der Startbahn West kamen die Proteste nicht zur Ruhe. Einmal in der Woche trafen sich die Startbahn-Gegner zum Sonntagsspaziergang entlang des Betonzauns.

Ihren traurigen, gewalttätigen Höhepunkt erreichten die Proteste am 2. November 1987 während einer Demonstration zur Erinnerung an die Räumung des Hüttendorfs sechs Jahre zuvor: Ein Mann zückte eine Waffe, er erschoss zwei Polizeibeamte und verletzte mehrere schwer. Der Täter wurde 1991 wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Hüttenkirche als Ausstellungsort?

Auch heute noch hat die Mauer für Treber eine besondere Bedeutung. "Gerade in der letzten Zeit war ich ein paar Mal dort und habe mir auch die ganzen Parolen angesehen, die damals auf die Mauer gesprüht wurden", sagt der Ausbaugegner. Ein Ort, an dem die abgerissenen Mauerelemente ausgestellt werden könnten, fällt ihm auch ein: "Die Hüttenkirche bei Mörfelden-Waldorf wäre dafür sicherlich geeignet."

Die Kirche wurde damals im Hüttendorf errichtet und bei dessen Räumung wegen der starken Proteste nicht abgerissen, sondern demontiert und eingelagert. 1986 wurde sie im Wald bei Walldorf wieder aufgebaut. Treber ist überzeugt: "Das ist auch ein guter Ort, um sich zu versammeln".

Sendung: hr4, 7.11.2017, 18.30 Uhr, Quelle: hessenschau.de

 

 

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